Jahrelang von einigen Freunden darauf hingewiesen, dass das Bloggen wohl eine gute Möglichkeit wäre, meiner Schreiblust abzuhelfen, drückte ich mich gleichsam davor ...
Bis ich eines Tages, konkret am 15. August 2009, einen eher politisch angehauchten Blog als "Pirat Micha" startete. Einen Tag darauf lief Usain Bolt mit 9,58 Sekunden einen seiner Fabelweltrekorde ... und da war es wohl auch gleich Zeit für einen Sport-Blog.
Während meiner "aktiven Zeit", Mitte der 1980er Jahre, waren meine "Helden" Ben Johnson, Sergej Bubka oder Marita Koch und Stefka Kostadinowa ... heute habe ich keine Helden mehr, spiele lieber Boule oder Kubb in meiner Freizeit, doch dafür kann ich besser schreiben als früher.
Gleich vorweg ... für den Fall, dass jemand (sich) fragt bzw. fragen wollte: ein Kerze auf dem Marienkäferkuchen steht für zwei Monate, also insgesamt auch ein Jahr. Dieser Blog wird nämlich in sich abwechselnden Zwei-Monats-Intervallen betrieben. Zwei Monate Schreiben, zwei Monate Pause usw. ... und manchmal sind zwei Monate auch kürzer oder länger ;)
Jedenfalls lasse ich mich – ebenso manchmal – „anstecken“. Nicht nur von Viren, Bakterien oder wie auch immer Dingen aller Art ... man teilt ja so einiges mit seinen Mitmenschen, ob immergewollt oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt. Man tut es einfach: das Teilen. Ebenso auch das Mitteilen, wie zum Beispiel in diesem Blog.
Mit der Dresdner Bloggerin DJane teile ich die Idee der Jahres-Bilanz und ebenso das Hobby des Mitteilens, eben über einen Blog. DJane's Jahresrückblick regte mich dazu an, selbst einen zu "machen" bzw. zu schreiben.
Vor rund einem Jahr, am 15. August 2009 startete der Pirat-Micha-Blog.Beeinflusstr, ganz klar, von den Landtagswahlen in Sachsen am 30.08.2009. Ich trat als unabhängiger, parteiloser Listenkandidat für die Piratenpartei an und wenn es die 5-Prozent-Klausel nicht geben würde, würde ich jetzt mit 4000plus Euro Monat „auf die Kralle“ als Nr. 2 der Piraten bzw. vielmehr für die Piraten im sächsischen Landtag sitzen.
Dass es nicht so gekommen ist, ist auch okay. Weniger Geld macht nichts, mehr politische Verantwortung wäre vielleicht ganz interessant, doch so naiv bin ich auch nicht mehr, als dass ich glauben würde alseiner der 120 Landtagsabgeordneter großartig viel Einfluss zu haben. Witzig wäre die Erfahrung in einem Parlament jedoch allemal.
Doch ob dann noch Zeit für einen Blog gewesen wäre? Hmm, wahrscheinlich doch ... denn mir wäre sowieso die Transparenz das Wichtigste gewesen. Ich glaube, dass man mehr für die Demokratie in Sachsen tun kann, wenn man dem geneigten Zuhörer mal einen Einblick in das Innenleben des Landtages gibt als „unter Piratenflagge“ frisch-naiv die Politik aufmischen zu wollen.
Und da ich meine Unabhängigkeit mehr liebe als die Piraten, habe ich mich dann auch im Februar 2010 endgültig aus Piraten-Medien zurückgezogen. Okay, ein,zwei Forumseinträge kamen noch hinterher – soviel Korrektheit „muss“ sein.
Was blieb, war dieser Blog. Und da parallel zur heißen Phase des Wahlkampfes die Leichtathletik-WM in Berlin stattfand, Usain Bolt wieder mal irgendwo hinrannte, wo keiner mehr mitrennen wollte, startete ich am 17.8.2009 den Sportsfreund-Micha-Blog.
Nun soviel zur Geschichte ... nun ein paar nackte Zahlen und zu dem, was sie bedeuten könnten bzw. für mich bedeuten.
Hmm, oder ... fangen wir mal lieber beim Sinn des Ganzen an.
Geschichte und Sinn & Unsinn der Micha-Blogs
Begonnen habe ich mit dem Bloggen eigentlich bei den Piraten selbst, als Schreiber eines kurz nach den Landtagswahlen 2009 von der Piraten-Sachsen-Homepage abhanden gekommenen Landtagswahl-Blogs. Er ist nicht über das Archiv der Piraten-Sachsen-Seite erreichbar, sondern nur noch über den direkten Link und wurde „Opfer“ eines Serverumzugs.
Mehrmaliges Anfragen meinerseits wurde registriert (Betonung auf „registriert“). Der Betreiber des neuen Servers bot ein kostenloses Hosting an und war im Übrigen dann mehr oder minder aktiv im Kreis der Piraten Leipzig. In seiner erster Meldung über die Mailing-Liste der Piraten Sachsen rief dieser im Übrigen indirekt zur Revolution auf, als „Hauptfeinde“ wurden der damalige Vorstand und eine in Leipzig sehr aktive Piraten erkoren. Sehr witzig, was ich da innerhalb eines halben Jahres bei den Piraten erlebt habe, wen’s interessiert der schau einfach in den Offenen Brief an die Piraten(partei) Sachsen.
Übrig blieb das Bloggen und das- auch schon vorher vorhandene – Interesse am Erkennen von Zusammenhängen in Gesellschaft und Politik. Aus dem Blogerlebnis bei den Piraten erschließt sich auch schon der erste Sinn eines Micha-Blogs. Hier habe ich das Sagen, was geschrieben wird. Was zensiert wird, sprich gelöscht oder nicht erscheint, bestimme nur ich; es sei denn es fällt etwas in die Sparte „technische Ungereimtheiten“, was ich entweder nicht wissen oder nicht überprüfen kann. Oder beides.
Da ich prinzipiell Kommentaren offen gegenüberstehe, gehen selbige auch nicht erst durch eine Moderation wie das bei den Piraten üblich war, sondern erscheinen direkt nach dem Schreiben. Spam, sprich Werbe- oder sinnlose Einträge à la „xyz123%$§&“ lösche ich, was allerdings noch nicht vorgekommen ist.
Mittlerweile glaube ich auch, dass die meisten wissen, dass sie auf einen Kommentar in einem von mir betriebenen Blog auch immer einen neuen Kommentar erhalten werden ... kann auch mal länger dauern, doch er kommt bestimmt.
Letztlich geht’s ja doch irgendwie darum, dass letzte Wort zu haben und in Micha-Blogs hat Micha das letzte Wort ;) ... wenn ich keine Lust mehr auf Diskussionen habe, dann schreibe ich „Ja, XXX, du hast vollkommen recht ... aus deiner Sicht.“ ... wenn er oder sie wirklich Interesse hat, kann er dann auch versuchen, meine Sicht nachzuvollziehen. Häufig sind es sowieso kaum zu analysierende persönliche Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten, die Diskussionen meist unsachlich werden lassen. Da habe ich Erfahrungen in diversen Foren sammeln können und nach schätzungsweise über 2500 Einträgen in rund 10 Foren dürfte man wissen, dass es nicht ums Rechthaben allein geht.
Qualitäten – Inhaltliches
Der Pirat-Micha-Blog wollte sich ursprünglich mit Politik beschäftigen, was er auch tat und tut. Doch mitunter kann Politik auch recht langweilig werden, drum kam zwischen durch mal etwas Musik mit rein oder eine Verbindung von Musik und Politik oder irgendetwas in der Art.
Irgendetwas in der Art wäre eigentlich ein Grund, weitere Blogs zu betreiben, so wie es der Sportsfreund-Micha-Blog schon vorhatte. Ein letztes Jahr begonnener DJ-Micha-Musik-Blog dümpelt etwas vor sich hin. Was schreibt man auch großartig über Musik? Die hört man doch in 90% der Fälle ... und zum Musik-Kritiker tauge ich nicht. Musik, die mir nicht gefällt, schalte ich ab. Musik, die mir gefällt, kann man als YouTube-Clip verlinken, was nicht sonderlich originell ist, doch was Besseres fiel mir noch nicht ein und mehr Zeit habe ich auch nicht bzw. möchte sie mir momentan auch nicht nehmen.
Letztlich ist es also ein Ausprobieren des Web 2.0 ... eine tolle Sache, wie ich finde. Und Blogs sind da in der Tat eine ganz gute Variante.
Der große Vorteil eines Blogs ist für mich die recht einfache Handhabung, z.B. Einbindung von Graphiken und Videos. Nachteile gibt’s auch, doch sie fallen mir momentan nicht wirklich ein. Vielleicht abgesehen davon, dass Blogbeiträge ab zwei Bildschirmseiten für viel mühsam zu lesen oder uninteressant werden, doch für meine Neigung zu wortreichen, häufig ausschweifenden Texten habe ich noch keine passende Alternative gefunden ... und Bücherdrucken kommt erst später ;)
Und bevor es mit noch mehr Text weitergeht, gibt's etwas Musik, die auch auf dem DJ-Micha-Blog verlinkt ist ... Bomb the Bass' "Winter in July" klingt übrigens auch ganzjährig gut; ... und ja, an die "Herren der Schöpfung" ... nicht nur auf's Kleid schauen – einen Blick auf/in den Song-Text empfehkle ich an dieser Stelle ausdrücklichst ;)
Quantitäten – Artikel & Kommentare
Okay, einen weiteren Nachteil gibt es noch, doch den habe ich irgendwie umgehen können. Mitunter kann ein Blog reichlich Arbeit machen. So gern ich mit Menschen in Kontakt trete und über diverse Themen Meinungen austausche, es gibt einfach Grenzen, die ich möglichst einzuhalten versuche. Wenn ein Artikel mehr Kommentare, zeilenmäßig in der Summe, als der Artikel selbst hervorruft, dann kann dies sehr zeitintensiv werden. Da mir jeden Tag ein, zwei neue Themen einfallen, über die ich mal was schreiben könnte, was nach fünf Tagen rund 5-10 Themen sind, stößt man bzw. stoße ich schnell an die Grenzen meiner Fähigkeiten. Zudem sind manche Themen während des Schreibens schon innerlich bei mir durch.
Rein zahlenmäßig gesehen weist der Pirat-Micha-Blog 40 Themen und 47 Kommentare auf. Beim Sportsfreund-Micha-Blog sind es 14 und 9. Im Vergleich zu anderen Blogs recht mager – im Vergleich: der bereits erwähnte Blog von DJane kann – nach eigener Aussage – 146 Artikel „aufweisen“ und über 1000 Kommentare. „Verkaufsschlager“ sind die Micha-Blogs also keineswegs. Müsste ich davon leben, wäre ich schon längst verhungert ;)
Doch das muss ich ja nicht und genau deshalb ist der Blog auch so wie er ist.
Überlegungen zum Networking
Was ich unbewusst vermieden habe, ist, andere Seiten in die Linkliste aufzunehmen. Link-Listen sind Empfehlungen, keine Hinweise oder simple Linklisten. Für mich dient die Link-Liste ausschließlich Selbstzwecken, zum Hinweisen auf andere von mir betriebene Seiten.
Alles andere kann man konkret in einem Artikel tun. Dort kann man auf einen bestimmten Artikel oder eine Zitat aus einem Artikel verweisen. Kommunikation findet ja auch nicht über allgemeine Namen statt, sondern über ganz konkrete Einzeldinge.
Das Entstehen sog. Communities basiert ja häufiger auf gewissen Oberflächlichkeiten, was ansatzweise auch okay ist. Keiner wird sich erst zehn Jahre mit jemanden anfreunden, um ihn dann endlich als FaceBook-Freund akzeptieren zu können. Der Internet-Freund ist da anspruchsloser sozusagen.
Ebenso ist das mit Link-Listen, die ja irgendwie meinen „Seiten, die ich empfehle“ oder „Schau mal hier rein.“ Kurzum: es ist Werbung für diese oder jene Seite, hinter der dann irgendetwas steht. Wer und was, tja, das weiß man meist nicht so genau.
Insofern beziehe ich mich lieber auf Konkretes, was zwar mehr Zeit bedarf, doch ebenso ein sparsamer Umgang mit Ressourcen für mich ist. Internet bedeutet Informationsflut ... doch wer braucht das schon? Informationsjunkies oder Informationsmasochisten vielleicht ... ich glaube, ich bin keines von beiden.
Die Frage ist ja auch immer wen man eigentlich mit einer Internetseite oder in diesme Fall einen Blog erreichen möchte.
Kontakte
Prinzipiell will man natürlich alle erreichen, die es interessiert. Geht mir nicht anders. Konkreter kann ich eigentlich gar nicht werden, denn eine Zielgruppenanalyse mache ich bestenfalls bei Real-Life-Gespräche und da stellt man schnell fest, dass es zwar Zielgruppen gibt, doch andererseits auch wiederum nicht.
Insofern war ich sehr überrascht, als sich vor einigen Wochen der Hammerwerfer Sergej Litwinow jr. mit einigen Kommentaren auf einen Artikel über ihn meldete. Wie er darauf aufmerksam wurde, weiß ich nicht. Vielleicht mal gegoogelt oder den Hinweis von einem Freund bekommen – keine Ahnung. Ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Informationen irgendwie doch Menschen finden, die sich angesprochen fühlen. In diesem Fall sogar der „Protagonist“ des Artikels. Mehr kann ein Blog auch zunächst nicht. Er wird Politik nicht direkt beeinflussen, doch er kann Anregungen geben, zum Nachdenken, zum Andersmachen, zum ... wie auch immer.
Last but not least ... wie geht’s weiter?
… so wie bisher, eben nur anders ;)
In diesem Sinne, viel Spaß beim „Schmökern“ durch die Artikel. Danke im Nachhinein und im Voraus für Anregungen, Kommentare und ... überhaupt.
Mit dem erfolgreichsten Leichtathletik-Olympioniken der Neuzeit, dem Finnen Paavo Nurmi, verbindet mich primär eins: wir haben beide am 13. Juni Geburtstag. Er allerdings ein paar Jährchen vor mir und auch die Differenz passt in die Zahlenspielereien. Nurmi wurde 1897 geboren und ich 13*6 (Juni), also 78, Jahre später. Allerdings rannte Nurmi wahrscheinlich auch als Anfangsiebzigjähriger, er starb im Oktober 1973 im Alter von 76 Jahren, noch schneller als ich es jemals tun werde. Zudem kann ich keine neun olympische Goldmedaillen, plus 3 silberne, mein Eigen nennen :)
Doch trotz 22 Weltrekorde (oder waren es 24 ?) und diverser anderer Medaillen meinte Nurmi kurz vor seinem Tod: „Meine Bilanz ist nüchtern und ehrlich. Ich habe in meinem Leben nichts geleistet.“
Paavo Nurmi 1924 in Paris
Nurmi galt als Ausnahmeathlet, beherrschte auf der Mittel- und Langstrecke zwischen 1920 und 1930 häufig die Konkurrenz. Freilich gab es auch mal eine Niederlage, so wie z.B. gegen den Deutschen Otto Peltzer, der 1926 Nurmi den Weltrekord über 1500 Meter „abnahm“.
Wie Nurmi selbst lief bzw. wie es Außenstehende sahen, hat Peltzer in seinem Buch „Umkämpftes Leben – Sportjahre zwischen Nurmi und Zatopek“ (Verlag der Nation, Berlin, 1955) festgehalten. Darin findet sich auf den Seiten 184 und 185 eine Schilderung aus der Zeitschrift „Der Leichtathlet“ über den Stundenlaufweltrekord Nurmi vom 7.10.1928 in Berlin ... ja, pünktlich 21 Jahre vorm DDR-Republik-Geburtstag ;)
Diese Beschreibung habe ich 1:1 übernommen ...
Ich verabschiede mich schon mal und wünsche einen interessanten Einblick in den Lauf eines Ausnahmekönners, der wusste, dass es nur einen „Feind“ auf der Rennbahn gab: sich selbst. Wer zudem Interesse an Information zum Laufstil hat, lese am besten einen Text von Nurmis Trainer Laura Pihkala – „Der Laufstil des Langstreckenläufers“.
In diesem Sinne, guten Lauf ... Sportsfreund Micha.
„Von Nurmi kann man eigentlich nicht anders als in Superlativen sprechen. Nurmi ist selber ein Superlativ. Er ist und bleibt der beste Langstreckler, den die Welt bis zum heutigen Tag gesehen hat. Von Nurmi ist jeder Weltrekorde gewöhnt, und von Nurmi erwartet jeder Weltrekorde. Aber welche enorme Leistung Nurmi vollbringen musste, diesen Stundenweltrekord Bouins zu brechen, kann nur der wirklich schätzen, der weiß, daß er 25 Jahre, ein volles Vierteljahrhundert, stand.* Die Bahn war nicht in hervorragender Verfassung. Es war reichlich kühl.
Es ist beliebt, von Nurmi zu sagen, er sei eine reine Maschine. Das ist eine Beleidigung, die er sich verbitten kann. Es ist eine Phrase, die einer aufbrachte und viele nachplapperten. Eine Maschine wird angekurbelt und läuft. Es kommt auch vor, daß sie versagt. Nurmi wird nicht angekurbelt, und Nurmi versagt nicht. Nurmi ist ein Läufer hoher Intelligenz, der das Köpfchen hat, das vielen Läufern fehlt. Nurmi denkt, subtrahiert, addiert Runde für Runde seine Zwischenzeit.
Natürlich beginnt vor dem Start wieder die Jagd der Fotografen auf ihn, und er dreht ihnen wieder den Rücken zu. Vielleicht stören ihn die Fotografen bei der Konzentration, die er braucht. Nurmi dauerten am Sonntag die Startvorbereitungen zu lange. Er wollte laufen, ehe es noch kühler wurde.
Schneider, Hirschberg, der Waldlaufmeister, führt die erste Runde. In der zweiten geht Nurmi an die Spitze. Als der dritte Kilometer in 9:15 Minuten von ihm gelaufen ist, liegen Husen und Martelin schon 50 Meter zurück. Hier wird als erster von der Planitz, Potsdam, von Nurmi überrundet. In der 25. Runde werden auch Husen und Martelin eingeholt; die 10-km-Zeit lautete 31:10 Minuten. Die von Bouin 1913 war 31:27,0 gewesen.
Vor Beendigung der 15 Kilometer große Aufregung im Kampfgericht, das allein für Nurmi 15 Stoppuhren brauchte, um alle Zwischenstrecken mit je drei Uhren für die Weltrekordanmeldung zu stoppen. Nurmi läuft und läuft in seinem raumgreifenden 1,75 m langen Schritten, immer in derselben Haltung, immer in demselben Stil, ohne Zeichen der Ermüdung, ohne Ermattung. Mit 47:18,6 stand der alte Weltrekord Bouins über 15 km. Nurmi lief 46:49,5. Einen Kilometer weiter werden Husen und Martelin ein zweites Mal überrundet und dann der Weltrekord des berühmten englischen Langstreckenläufers Alfred Shrubb aus dem Jahr 1904 über 10 englische Meilen (1609 ½ m [also 16095 m, Anm. M.W.]) unterboten. Das Publikum bejubelt ihn, und auch die Läufer auf der Bahn, die er überrundet, sie jubeln ihm zu. Sie lassen ihm beim Überholen stets die Innenbahn frei und gehen zur Seite, damit er nicht unnötig einen längeren Weg zu laufen hat. Für die Zeichen dieses Sportsgeistes erhalten sie jedes Mal Sonderbeifall. Und dann ging die Stunde zu Ende. Der Starter zeigt die 60. Minute durch drei Schüsse an. Nurmi stoppt seinen Lauf schon beim zweiten ab. Mit 19,210 km wird der Stundenweltrekord Nurmis festgehalten.“
* Hier hatte der Journalist 10 Jahre dazu addiert. Jean Bouin lief den bis zu Nurmis Rekordrennen gültigen Stundenweltrekord von 19.021 Metern im Jahr 1913, also 15 und nicht 25 Jahre zuvor.
Ich kann ja nicht verheimlichen, dass ich gewisse Sympathien für Michael Ballack habe ...
Ich und der andere Micha oder ... Der andere Micha und ich
... angefangen bei seiner Rücken-Nr., der „13“. Denn die ist meine Glückzahl, da ich an einem Freitag, den 13. geboren wurde. Zudem wohne ich seit mehr als 12 bzw. fast 13 Jahren in einer Hausnummer 13.
Okay, Ballack ist „Ossi“, doch was heißt das schon? Und ja, er hat auch in Karl-Marx-Stadt gelebt und in den 1980er Jahren im „Heckert“, dem damals drittgrößten Neubaugebiet der DDR gewohnt, mehr oder minder um die Ecke von mir.
Und ja, natürlich heißt er wie ich bzw. ich wie er ... mal rein den Vornamen betreffend.
Und irgendwie hat’s mich auch nicht gewundert, dass kürzlich in einem Interview mit dem Musikjournal „Rolling Stone“ sagte, Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, so mit 13, 14 Depeche Mode und The Cure gut gefunden zu haben (Link zum Interview auf SPOX).
Fast „weggehauen“ hat’s mich ja als erin jenem Interview mitteilte, dass er beim obligatorischen „Auf-einen-Stuhl-stellen-und-vor-der-Mannschaft-singen“ beim FC Chelsea ausgerechnet "Du entschuldige, i kenn Di" von Peter Cornelius gesungen haben soll. Ein Lied aus dem Jahre 1980, an das ich mich auch noch erinnere, denn ich habe damals als 6jähriger meine Mutter gefragt, was denn „kokett“ sei. Die „Kloane“ (ich hatte immer „Karen“ verstanden und das bis letztes Jahr auch noch so im Gehirn abgespeichert), also die Kloane (Kleine), die Peter Cornelius da nach 15 Jahren wiedergetroffen hatte, war nämlich „mit 13 schon kokett“. Ja, da war sie wieder die „13“ ;)
So jetzt Werbe- bzw. Lesepause und erstmal mitsingen ... Geht ab, Peter ... :)
Naja, und während Ballacks Micha langsam zum Fußballstar wurde, beendete ich meine Kinder- und Jugendkarriere als Allesspieler einer der immer neu zusammengestellten Mannschaften des selbstorganisierten Fußballspielens im Heckert-Gebiet Nr. 3. Ich hatte auch genug Tore geschossen, die in keiner Statistik erfasst sind. Auswärtsspiele waren allesamt auch Heimspiele und außerdem waren die Spielbedingungen nicht optimal. Wer z.B. den Ball den abschüssigen Hang herunter geschossen hatte, durfte sich eines „Wer schießt, genießt“ aller auf dem Feld stehenden „Auswahlspieler“ sicher sein. Kurzum, 30 Sekunden Spielpause und die 5-10 Höhenmeter runter, Ball holen und (mit Ball) wieder rauf. Das schlauchte auf Dauer und auf Dauer half eben nicht nur Power.
Naja, heute sind „meine“, also „unsere“ Bolzplätze entweder schöne Wiesen oder Parkplätze. Und auf der Straße spielen is’ auch nicht mehr, vermutlich.Ein Trabi konnte mal ’nen Ball abbekommen, ein Mercedes nicht. Und im Heckert sind auch Peugeots und Mazdas Mercedes-Äquivalente.
Egal, Micha machte Karriere ... er spielte auch ein ganz klein wenig besser Fußball als ich. Wenn auch nur geringfügig besser ;)
Die WM 2010 und die Kapitänsfrage
Dass er kurz vor der WM 2010 ausgerechnet von einem Deutschen sozusagen, Kevin Prince Boateng, auf die WM-Zuschauerbank gebracht wurde, hatte sicher nichts mit Familienangelegenheiten innerhalb der Boatengs zu tun. Jerome (Halbbruder von Prince Kevin, der selbst für Ghana spielte) und die sehr junge deutsche Mannschaft (Durchschnittsalter 24 ... glaube ich) haben Spitzenfußball gespielt. Keine Frage.
Und nach dem 4:0 gegen Argentinien hatte ich vielleicht dieselbe im Frage im Kopf wie manch andere auch, vielleicht auch Michael Ballack selbst: ‚Brauchen die Ballack noch?’
Die Frage wurde, wenn auch indirekt, schnell beantwortet; gleich einen Tag später. Von Philipp Lahm, dem Ersatz-Kapitän der WM2010, der Ballacks Armbinde tragen durfte. Die Antwort war und ist schlicht und ergreifend „Ja. Ja, sie brauchen Ballack.“ Auch wenn Ex-Weltmeister Lothar Matthäus seinem Bayern-Kollegen Philipp Lahm noch verbale Schützenhilfe geben wollte und auch der Spiegel schon einen Ballack-Abgesang-Artikel mit dem Titel „Michael Ballast“ (ohne "?" im Titel !) abdruckte.
Nun will ich Philipp Lahm nicht mit polemischen oder pseudopsychologischen „Kleines-Mann-Syndrom“-Ansätzen auseinandernehmen. Für seinen Nachnamen kann er nichts – obwohl er da durch seine Heirat hätte Abhilfe schaffen können – und für seine Körpergröße auch nicht. Doch er ist für seine Worte verantwortlich. Sagen kann er, was er will und wie er es will. Wenn er mit den Konsequenzen umgehen kann, überhaupt kein Problem.
Wenn er in einem Interview mit der Münchner tz am 5.7.2010, einen Tag nach dem Argentinien-Spiel und zwei Tage vorm Spiel gegen (den späteren Weltmeister) Spanien solche Momente hat:
tz: Sie überreichen also Ballack nicht feierlich die Binde?
Lahm: Freiwillig werde ich sie ganz sicher nicht abgeben. Aber das wird die Entscheidung des Bundestrainers sein.
Trainer Joachim „Jogi“ Löw soll das Interview gegengelesen haben, wie auch die Augsburger Allgemeine berichtete vom 05.07.2010. Tja, was sollte er auch sagen? Weist er Philipp Lahm drauf hin, dass das vielleicht ein bisschen ungünstig ist vom Zeitpunkt, fühlte der sich eventuell nicht genügend respektiert. Und vielleicht stand Ballack eben wirklich schon auf dem Kapitän-Abstellgleis? Die (Aus-)Wirkungen eines Zeitungsinterview mit Ballack in der FAZ vom Oktober 2008, in dem er Löw kritisierte, schwangen sicher noch mit.
"Mein Binde ... Nee, meine ..." oder "Schau auf meine Uhr, Phil, und ich sag dir, wie lang du die Binde trägst." (Michael Ballack & Philipp Lahm)
Wir wissen es nicht, doch einen Tag später (oder gar am selben) flog Ballack wieder ab ...
Und das deutsche Team mit dem Aushilfs-Möchtgern-Weiter-Captain?
Tja, die haben von den Spaniern dann zwei Tage später gezeigt bekommen, was ’ne Harke ist ... der Ball ist und bleibt eben rund. Zumal Deutschland auch keine "Geheimwaffe" wie Sara Carbonero auf dem Spielfeld ;)
„Unsere Mannschaft hat eine gute Mentalität, sie wird sich nicht verstecken, sie wird sich reinhauen, an die Leistungsgrenze gehen. Joachim Löw wird das Optimum herauskitzeln, davon bin ich überzeugt. Bei den letzten Turnieren wurden wir Zweiter und Dritter, warum soll so etwas nicht wieder klappen?“
Und er sollte recht behalten.
Sei’s wie’s sei ... Spielerisch ist Michael Ballack sicherlich in der deutschen Nationalelf ersetzbar, doch (noch) nicht von der Reife her. Spielerisch hat Ballack sicher seinen Zenith überschritten bzw. zumindest erreicht, doch erstens ist das nach 10 bis 15 Weltklassejahren auch mehr als verständlich und zweitens heißt das ja keineswegs, dass er schlechter spielt als früher. Er spielt halt anders als früher.
Allerdings gebe ich zu, dass ich seine omnipräsente Werbetätigkeit – gibt’s was wofür Michel Ballack noch nicht geworben hat? ;) – etwas kritisch sehe. Spätestens das ist für mich immer ein gutes Zeichen dafür, dass jemand sportlich „angekommen“ ist und jetzt anderweitig die Sache auskosten möchte.
Zeig mir dein Handy und ich sag dir den Halbzeitstand
Reife & Selbstwertgefühle
Doch wie gesagt: „Reife“ ... die hat die deutsche Jungspundmannschaft einfach nicht, kann sie auch gar nicht. Der 3. Platz war mehr als man erwarten konnte und insofern wirkte die Absage an eine Feier auf der Berliner Fanmeile wie eine Ohrfeige an die Fans in Deutschland. Nach der Rückkehr aus Südafrika ging’s gleich in den Urlaub. Naja, war eben doch nur’n Job, Jungs, hmm? Enttäuschung in allen Ehren, doch wie heißt’s so schön schon in der Bibel „Hochmut kommt vor dem Fall.“
Wer vorher etwas realistischer an eine Sache rangeht, kann hinterher auch leichter feiern. Tja, vielleicht haben einige auch genau jenen Fans die Erwartungen erfüllen wollen, die einen WM-Titel eigentlich für sich selbst brauchten und nicht weil sie ihn in erster Linie der deutschen Mannschaft gönnen würden?
Ja, ich gebe es zu, dass mir auch auffällt, dass es vor allen Dingen jene Fans sind, die sich in Sätzen wie „Wir haben gewonnen“ auszudrücken pflegen, welche in mir den seltsamen Wunsch bestärken, Deutschland möge bitte verlieren. Ich denke mir dann manchmal so „Wer bitte schön ist oder sind ‚wir’? ... dich bzw. euch habe ich jedenfalls nicht auf dem Feld gesehen. Da hättest du dir wahrscheinlich auch gleich in der ersten Minute in die Hosen gemacht.“
TAGESSPIEGEL:Passend zur Schminke rappen Sie: „Deutschland holt die Fahnen raus, sie hängen vom Balkon, am Gartenhaus, an 1000 Fenstern, an Autofenstern, der Kühlerhaube, auf dem Benz, Mann.“
BUSHIDO: Es ist schön, dass die WM eine Zeit ist, in der die Deutschen befreit ihre Fahne aufhängen. Das Lied muss auch was zum Mitgrölen sein, es ist kein politischer Song, der auf Armutsnotstände aufmerksam machen will. Man braucht einfach ein schönes Gefühl.
„Einfach ein schönes Gefühl“, genau das isses ... fehlt eigentlich nur noch der Gartenzwerg. Oder macht den Bushido selbst? :)
Ob die Deutschen jedoch auch selbst befreit sind, wenn sie „befreit ihre Fahnen aufhängen“ oder ob’s nur ein anderer Herdentrieb ist, lasse ich mal als angedeutete Frage stehen. Naja, Bushido, du machst das schon, Alter :)
Noch mehr als diese meiner Meinung nach etwas schräge Version von (mangelndem) Selbstwertgefühl irritiert mich allerdings die mitschwingende Arroganz einiger nach Siegen der deutschen Mannschaft – ja, natürlich alles nur Spaß, ich weiß schon ... ich bin da eben etwas verbissen – und eine andere Sache, die ich noch nicht so ganz verstanden habe. Mittlerweile reden einige Frauen genauso wie die Kerle früher. Seeehr seltsam ... :)
Beim Public Viewing des Finalspiels Spnien-Niederlande mokierte links von mir eine junge Dame Mitte 20 gelegentlich das Spiel der ... hmm, vergessen, wahrscheinlich der Niederländer, denn Spanien hatte ja im Halbfinale Deutschland geschlagen. Wenn sie Mitte 40 gewesen wäre, hätte es auch Spanien sein können, denn Holland ist eh Deutschlands Erzrivale. Das muss der Deutsche mit der Muttermilch aufsaugen, sonst ist er (oder sie) kein guter Fußballfan ;)
Ich wartete eigentlich nur noch auf einen Spruch wie „Ooooch, den kriegt doch meine Großmutter rein.“ Und zu meiner rechten Seite zeigte sich ein ebenfalls Mitte 20er, also ein Mann bzw. werdender Mann, von Ameisen genervt ... und ja, teilte dies auch mehrmals mit. Verkehrte Welt? Emanzipation? Gleichberechtigung? ... ich weiß es auch nicht.
Jedenfalls ist Public Viewing lustig, so lange die Leute um mich drumherum nicht so viel reden. Ich bin zum Fußballgucken da, nicht wegen „besserwissen, weil selbst niemals besser können“-Monologen oder zum Anhören diverser Varianten von „Blöde Natur, warum gibt’s Ameisen auch in der Stadt?“.
Naja, ich habe mir die zweite Halbzeit dann zu Hause angeschaut. Allein.
Ja, der Deutsche und Fußball. Darüber schreib’ ich wohl mal ’n Buch :)
Das Wichtigste zum Schluss
Wie dem auch sein mag. Was Michael Ballack und Philipp Lahm anbetrifft, so würde ich im Zweifelsfall bzw. mittelfristig Bastian Schweinsteiger zum Kapitän machen, allerdings mit einer gewissen Übergabephase von Michael Ballack. Philipp Lahm hat durch seine Äußerung nach dem Argentinien-Spiel in meinen Augen vor allen Dingen in einer Disziplin Punkte verloren, die ich beim Sport besonders schätze: dem Fair-Play. Verletzten Spieler pinkelt man nicht ans Bein und wenn man dies tut, so sollte man dies zumindest irgendwann bemerken. Doch vielleicht war der Phil da schon in den geistigen Flitterwochen mit ... hmm, hab’ ich doch glatt den Namen seiner Frau vergessen. Naja, sie eben, also Frau Lahm eben. Und wenn er unbedingt Kapitän sein möchte, dann beweist er eben seine Qualitäten als Kapitän von Bayern München.
Philipp Lahm könnte ja auch mal den Libero machen. Über den schmunzelt er zumindest gern bei seinem Alt-Verein „München-Gern“ (Interview SZ09.12.2008). Keine Ahnung, ob das so ins deutsche Spiel passt, doch der Laie darf bekanntlich wenigstens mitreden ;) ... Da kann er sich verbal etwas zurücknehmen und in die geistigen Fußstapfen von Franz Beckenbauer treten, der auch Libero spielte. Und dass ein Spiel mit Libero nicht prinzipiell veraltet sein muss, haben die Griechen 2004 beim EM-Sieg gezeigt. Das wäre vielleicht auch für Lahm noch ’ne Herausforderung; er als Libero und Ballack-Schweinsteiger als Kapitän.
Und vielleicht wird’s der EM-Titel 2012. Jetzt kann man ja eigentlich ganz entspannt rangehen, würde ich mal meinen. Das Team spielt gut, auf Weltklasse-Niveau, die Trainer-Frage ist auch geklärt. Ob Theo Zwanziger nun weitermacht oder nicht, sollte keinen Bruch im Spiel der Mannschaft hinterlassen ... außerdem ist Zwanziger zu recht nach sechs Jahren als DFB-Chef etwas amtsmüde. Zumal dies ja nur die Krönung einer Fußball-Ämterkarriere war. Diverse Orden und Auszeichnungen hat er auch schon mehr oder minder alle bekommen.
In diesem Sinne ... schaun mer mal, wie Kaiser Franz sagen würde.
Und überhaupt lieber gegen Spanien im Halbfinale ausgeschieden sein als gegen die Niederlande im Finale verlieren, oder? ;)
Ansonsten kann ich nur noch festhalten, dass mir meine Mutter Anfang der 1980er Jahre nicht ausreichend – oder hinreichend (?) – erklärt hat, was nun „kokett“ denn eigentlich sei. Doch ich hab’s die Jahre später wohl ansatzweise selbst herausgefunden ... und eins weiß ich: Fußball ist nicht soooooooo wichtig :)
In diesem Sinne ... Bälle flach halten, Jungs ... Sportsfreund Micha.
PS: Gerade noch ergoogelt ... Philipp Lahm Ex-Freundin und jetzige Ehefrau heißt im Übrigens Claudia, bis zur Hochzeit Claudia Schattenberg. Hmm, naja, eine Übernahme des Nachnamens von Claudia wäre sicher auch nicht sinnvoll ... doch Philipp und Claudia Schattenberg-Lahm würde schon wieder gehen, das hat was tendenziell Richtung „posh“ gehendes, wie ich finde ;)
Wer sie innerhalb Spaniens vor der Fußball-WM 2010 nicht kannte, der kannte sie spätestens nach der 0:1-Einstiegsniederlage in der Vorrunde gegen das Team der Schweiz am 16. Juni 2010. Damals munkelten einige, sehr wahrscheinlich zu 99% Männer, dass die Anwesenheit der Sportreporterin Sara Carbonero in unmittelbarer Nähe zum spanischen Torwart Iker Casillas, welchermit Frau Carbonero liiert ist, diesen abgelenkt haben soll und dadurch Spanien letztlich das Spiel verloren hätte (Sportsfreund Micha berichtete ;)).
Naja, rund drei Wochen später dürften sich auch die allerletzten Kritiker, unter ihnen der Chef des spanischen Presseverbandes, Fernando González Urbaneja, der Carbonero u.a. fehlende journalistische Distanz attestierte, wieder beruhigt haben und in den nächsten Blumenladen gegangen sein, um ihr ein paar Dankesgrüße zu schicken.
So sieht ein spanischer Frauen- und Fußball- und Presseversteher aus - Fernando González Urbaneja
Naja, jedenfalls dürfte Señor Urbaneja, der für das spanische Blatt „Diario ABC“, dem Wikipedia „einen gehobenen, konservativen und monarchistisch orientierten Stil“ bescheinigt, tätig ist, mittlerweile wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sein. Jetzt kann er sich auch in Ruhe wieder seinem Blog widmen und über Politik schreiben. Beim Thema „Frauen und Fußball“ dürfte er sich wohl eher Eigentore schießen. Und warum sollte nicht Señora Carbonero Präsidentin des spanischen Presseverbandes werden und Mister Urbaneja fliegt nächstes Jahr nach Deutschland zur Frauen-Fußball-WM 2011 und berichtet dann live von dort? Bei ihm besteht vermutlich auch keine Gefahr, dass irgendjemand abgelenkt wird :)
Sara Carbonero und Iker Casillas dürften spätestens nach dem Sieg des spanischen Teams am Sonntag in der halben Welt bekannt sein. Casillas spontaner Kuss vor laufender Kamera nach einem der fast schon obligatorischen Interviews Casilla – Carbonero wurde innerhalb eines Tages in mehreren Versionen über eine Million Mal auf YouTube angeschaut. Und selbst die ARD-Tagesthemen kamen nicht drumherum, diese Szene zu zeigen.
Carbonero scheint sichtlich überrascht und antwortet mit „¡madremía!“ („Ach du meine Güte!“, „Oh mein Gott!“), was Pressemann Urbaneja vielleicht wenigstens von ihrer Keuschheit und dem Respekt vor der „journalistischen Distanz“ überzeugen könnte.
Also, ich bekomme langsam Lust auf einen Film à la „Spanien – ein Sommermärchen“ ... mehr Filmstoff mit Kontroversen um gesellschaftliche Themen mit abschließendem Happy End kann man fast gar nicht zusammenbekommen, oder? Und so lange die Begeisterung zwischen und um Carbonero und Casillas anhält, wird das sicher der Kassenschlager in Spanien und der halben Welt ... ’ne Mischung aus Hollywood und Bollywood, made in Spain.
Mit hinein in den Plot würde natürlich noch eine geläuterte Altherrenriege des spanischen Fußballverbandes kommen, die ab sofort allen Spielerfrauen erlaubt, auch am Turnier teilzunehmen. Bis dato hatte es offenbar nur Sara Carbonero durch ihre Rolle als Reporterin geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes „mit von der Partie zu sein“. Sie war sozusagen Spaniens 13. Mann oder korrekterweise „First Lady“ auf dem Feld.
Auch der Begriff der „embedded journalist“ (Link), eigentlich 2003 für die Kriegsberichterstatter im Irakkrieg geprägt, würde bei dieser Geschichte eine weitaus größere Deutungsvielfalt erfahren :)
Hmm, warum löst man kriegerische Konflikte eigentlich nicht friedlich, durch Fußballspiele? Wenn die USA-Auswahl jedes Jahr gegen die von Afghanistan spielt, haben alle was davon. Auch die Fernsehsender könnten mal andere, nettere Bilder bringen. Ja, ich weiß, schlecht für die Rüstungsindustrie. Doch die könnten ihre Produktion ja auf Fußbälle und Vuvuzelas umstellen. Das würde auch Tausende Kinder, z.B. in Pakistan, entlasten, die täglich mehrere Fußbälle in Handarbeit zusammennähen.
Naja, nach diesem Ausflug zur Weltpolitik wieder zurück zu „Brot und Spiele“.
Die Frage, die sich bisher noch nicht lösen ließ, ist und bleibt ja, ob und wen Sara Carbonero da am 16. Juni 2010 auf dem Spielfeld abgelenkt hatte. War es wirklich Casillas, der sich nicht konzentrieren konnte oder der Schweizer Fernandes, Schütze des 1:0, der von Frau Carbonero inspiriert wurde? War die Niederlage im ersten Spiel bei dieser WM für Spanien vielleicht sogar notwendig, um später Weltmeister zu werden?
Und ... Welchen Einfluss hatte die spanische Sportreporterin auf die anderen Spiele? Ist sie vielleicht sogar verantwortlich für das Halbfinal-Aus von Deutschland? Kann man ihr das in die Schuhe schieben? Wenn ja, wie? Wenn sie’s war, was kann Deutschland tun? Wirtschaftssanktionen gegen Spanien? FIFA-UN-Tribunal? Was meint die BILD-Zeitung dazu?
Und die Frage aller Fragen: wenn Sara Carbonero spielentscheidend ist, muss dann Spanien überhaupt noch spielen? Wäre es nicht – gerade in Krisenzeiten – billiger, sie allein auf’s Spielfeld zu schicken? Die gegnerischen Mannschaften treffen sowieso kaum. Ganze zwei Tore gegen Casillas in sieben Spielen, in der Endrunde überhaupt keins. Zudem ist Frau Carbonero vom Sternzeichen Schütze, also dürfte auch die Frage nach den Toren für Spanien geklärt sein.
Die spanischen Fans würden’s vermutlich Spitze finden ...
Tja, sei’s wie’s sei ... so eine Fußball-WM ist schon witzig. In Zukunft schaue ich mir nur noch das Drumherum an und bei YouTube die Tore der Spiele. Ab und an noch 'ne halbe oder gar ganze Stunde Public Viewing, so lange bis ich die "Nachhilf-Netzers" neben und vor mir nicht mehr hören möchte. Ja, so macht Fußball Spaß :)
In diesem Sinne ... die nächste WM kann kommen ... hmm, vielleicht sollte ich mich als Reporter bei der nächstes Jahr stattfindenden Frauen-Fußball-WM, die ja auch in Dresden ausgetragen wird, bewerben :) ...
Die Redensart mit der Hand ist angeblich schon fast 2000 Jahre alt und geht in der Form „Manus manum lavat“ (Link) auf den römischen Philosophen Seneca zurück. Natürlich riecht’s da häufig nach Korruption, doch sei es wie es sei. Mitunter gibt’s jedoch auch Querwaschungen sozusagen. Wie zum Beispiel, wenn der seit nicht einmal zwei Wochen im Amt befindliche Bundespräsident Christian Wulff, Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw den Bundesorden der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundesverdienstkreuz, verliehen möchte (Artikel im Handelsblatt vom 11.07.2010).
Das Bundesverdienstkreuz wird verliehen für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet.
Clever gemacht, Herr Wulff, ganz gleich, wer aus ihrem Team diese Idee hatte ... vielleicht Ihre Frau? ;)
Die Verbindung zwischen Sport und Politik könnte fast gar nicht besser funktionieren. Wulff macht sich – nach dem Wahl-Hick-Hack in der Bundesversammlung am 30.06.2010 – bei der Bevölkerung beliebt. Und was wohl noch höher einzuschätzen ist, gibt Löw ein Zeichen dafür, dass er auch weiterhin Trainer der deutschen Nationalelf sein sollte.Jetzt kann Löw eigentlich gar nicht mehr aufhören, zumindest nicht innerhalb eines Jahres bzw. bis zur EM 2012.
Gleichzeitig verweist Wulff auf die Mannschaftsleistung des deutschen Teams bei der WM und sieht sie als Vorbild, zum Beispiel für die Koalition aus CDU und FDP, und darüber hinaus wahrscheinlich für ganze Volk.
Also, clever gemacht, Herr Wulff. Nur durch die Verleihung eines einzigen Ordens haben Sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Alle Achtung.
Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, ob die "deutsche Nationalelf" jetzt auch mit "deutsche Staatself" bezeichnet werden darf oder gar "muss". Was sagen denn da die deutschen Regularien? Oder sagen sie - wie häufig in wichtigen Fällen - gar nichts?
Apropos Regularien. DFB-Chef Theo Zwanziger meinte am Wochenende nach dem 3. Platz der deutschen Mannschaft auf die Frage eines Journalisten von DRadio Kultur, ob er mit Löw schon einen Termin zwecks Gesprächen bzgl. einer Vertragsverlängerung gemacht hätte u.a. folgendes:
"Menschen, die sich verstehen, brauchen nicht zu arbeiten wie in einer Bürokratie."
Klingt doch toll, oder? ... tja, so lange man nicht die ganzen Formulare, Berichte, Reporte, Klauseln, Vertragswerke usw., eben alles, was das deutsche Vereinsrecht und die Politikmaschinerie so mit sich bringen, vor sich auf dem Tisch liegen hat.
Spätestens dann kann aus dem Sommermärchen ganz schnell ein Herbstalbtraum werden.
Und bisher gibt es auch noch keine gesicherten wissenschaftlichen Forschungen, wie sich die Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes auf die eigentliche Arbeit auswirkt. Vielleicht erweist Christian Wulff dem deutschen Fußball auch einen Bärendienst? Man könnte da ja mal Theo Zwanziger fragen, der das Kreuz fünf Jahre vor Löw, im Jahr 2005, bekommen hat.
Tja, es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz ...
In diesem Sinne, der Ball bleibt jedenfalls rund ... "Schau'n mer mal" – wie der Franz von den Beckenbauers wohl sagen würde –, wohin sich die ganze Sache noch entwickeln wird.
Die Redewendung mit dem „spanisch“ stammt laut Wikipedia aus der Zeit Karl V., der u.a. 1516 spanischer König und 1519 deutscher Kaiser wurde, und man offenbar mit dem spanischen Hofzeremoniell so seine Schwierigkeiten hatte. Nun scheinen diverse Völker immer mal eine andere Sprache für sie unverständliche Dinge, Sachverhalte, Regeln, Sitten usw. zu verwenden, wobei „Chinesisch“ das am häufigsten verwendete Synonym für „versteh ich nicht, komische Sache“ zu sein scheint. Heißt wahrscheinlich nicht umsonst Fach-Chinesisch, oder?
Die Chinesen bzw. Kantonesen scheinen das Ihrerseits etwas heftig-deftiger zu lieben und bedanken sich mit einem „呢啲喺雞腸呀“, was sich auf das Englische beziehen und „Töne aus dem Darm“ bedeuten soll. Hmm, da bekommt der Ausdruck „trockener Humor“ mitunter eine ganz andere Bedeutung.
Doch die Chinesen bzw. Kantonesen waren bei der Fußball-WM 2010 gar nicht mit dabei und England schied bekanntlich im Achtelfinale gegen Deutschland aus. Und die Deutschen nun gegen Spanien ... die Deutschen haben gut gespielt, wenn auch vorher viele Spiele besser, doch die Spanier waren einfach noch besser – as simple as that.
Doch auch darauf möchte ich nicht hinaus, denn nicht umsonst steht im Titel „Frauen und Fußball“. Die Spanier mögen ja etwas krisengeschüttelter sein als Noch-Export-Weltmeister Deutschland, doch emanzipatorisch sind sie sicher mitunter weiter als das genauso patriarchale Deutschland. Als ich 2004 in Bilbao gewesen bin (ja, es gehört zum Baskenland ;)), sah ich auf einem Platz mitten in der Stadt eine Mutter, so Mitte 30, mit ihrem Sohn einen Ball hin und her kicken. Ich mag blind sein, doch in Deutschland habe ich das noch nicht gesehen.
Und nun kommen Frauen auch in Doppelrollen zum Fußball und sehen dazu noch so aus ...
Die junge Dame heißt übrigens Sara Carbonero, arbeitet für den spanischen Kanal „Telecinco“, der u.a. von Silvio Berlusconi mitgegründet worden ist. Frau Carbonero ist 25 Jahre jung und wurde bereits – von Männermagazin FHM USA – zum „Sexiest Reporter in the World“ gekürt. Ob sie auf diesen Titel wirklich Wert legt, wissen wir nicht, vermutlich hat sie auch ganz andere Dinge im Kopf und für ihr Aussehen kann sie ja nichts ... zumindest nur bedingt ;)
Das alles wäre kein Problem, wenn Frau Carbonero nicht im Fußballbereich tätig wäre und von der Fußball-WM 2010 berichten würde. Eigentlich ist auch das kein Problem, wenn sie nicht – angeblich laut FIFA-Regeln – als „field reporter“ hinter dem Tor platziert worden wäre. Das sah dann wahrscheinlich ungefähr so aus ...
Links im Bild das ist wie wahrscheinlich unschwer zu erkennen ist, Frau Carbonero. Und ihr rechts, vorm Tor, sozusagen zu Füßen liegend das ist Spaniens Torhüter Iker Casillas. Auch das alles ist eigentlich noch kein Problem, wäre da nicht die 0:1-Vorrunden-Niederlage gegen die Schweiz gewesen. Am 16. Juni 2010, „zufällig“ auch noch der Geburtstag meiner Mutter, schießt im ersten Gruppenspiel der Spanier der für die Schweiz spielende und ursprünglich aus Kapverden stammende Gelson Fernandes in der 52. Minute das letztlich entscheidende 1:0 für die Schweiz. Für Ottmar Hitzfeld, Trainer des schweizerischen Teams und insbesondere – wenn auch nicht nur – mit Bayern München mehrfach national und international erfolgreich, wird’s wohl eine Genugtuung gewesen sein, gegen den amtierenden Europameister gewonnen zu haben.
Doch des einen Freud, des anderen Leid, denn einige Spanier schienen bereits den Grund für die Niederlage gefunden zu haben. In Person und Form von Frau Carbonero. Was teilweise erklärbar sein könnte, wenn sie zum Beispiel so am Feldrand bzw. hinter dem Tor steht ...
‚Wer denkt da noch an Fußball?’, möchte man fast meinen. Die „armen“ Torhüter. 90 Minuten müssen sie sich in Gegenwart dieser spanischen „Geheimwaffe“ aufhalten, denn sie dürfen nicht weg, sondern werden dafür bezahlt, dass sie einen runden Lederball nicht in das rechteckige Aluminiumtor reinlassen. Ach, Gott hat schon Humor ... und ist sicher nicht nur ein Mann, sondern auch eine Frau :)
Und beim Thema „Frau und Mann“ beginnen bekanntlich die größten Probleme, ja auch für Spanier, insbesondere wenn es um Fußball geht. Denn Telecinco-Reporterin Carbonero und Fußball-Torhüter Casillas, der auch Kapitän des spanischen Teams ist, teilen etwas, was alle anderen Spanier höchstwahrscheinlich nicht tun: eine Beziehung.
Somit war’s einigen mal wieder klar, Frauen und Fußball geht vielleicht gerade noch, doch Frauen im Fußball ... da hört der Spaß dann auf.Ein Artikel von der britischen BBC vom 17. Juni 2010 enthält folgenden Absatz:
Later, Spanish football websites carried comments suggesting that the presence of 25-year-old Carbonero could have affected Casillas's performance.
Der spanische Presseverband warf Frau Carbonero sogar vor, ihr würde die journalistische Distanz fehlen und dass sie gegen „arbeitsethische Grundsätze“ verstoßen hätte. Der Spiegel-Artikel, dem auch die meisten Bilder auf dieser Seiten entstammen, zitiert dann Fernando Gonzalez Urbaneja, den Vorsitzenden des Verbandes, mit den Worten:
"Als Journalistin sollte sie wissen, dass man keine emotionale Bindung zu den Geschichten haben darf, über die man berichtet.“
Uuuh, ¡madredeDios!, dann dürfte Spanien wohl überhaupt keine Reporter bei der Fußball-WM haben :)
Und auch die deutsche Zeitung mit den vier großen Buchstaben fragt am 7. Juli 2010 kurz vorm Halbfinale Deutschland-Spanien ganz „unsuggestiv“ und völlig frei von Rhetorik „Muss sie ihren Iker als Verlierer interviewen?“ und setzt dieses Bild unter die Überschrift ...
Naja, einen Tag später, wissen wir alle „Schwamm drüber ...“ & ¡Viva España!
Warum Spanien letztlich doch im WM-Finale steht und alle anderen Teams, außer den Niederlanden, nicht, hat vielleicht auch einen ganz einfachen Grund. Vielleicht ist es ja so, dass Iker Casillas immer kurz vorm Spiel zu seiner Mannschaft sagt: „Muchachos, tut mir einen Gefallen und ich tue euch auch einen. Wenn ihr mir wenig Arbeit macht, dann muss ich meiner Freundin keine dummen Fragen beantworten. Und wer ein Tor schießt, das verspreche ich euch, darf sich mit ihr auch über das unterhalten, was er am liebsten macht – über Fußball ... na, ist das’n Deal?“
Hmm, bei David Villa hat’s jedenfalls gewirkt ... gleich mehrfach.
In diesem Sinne, freue ich mich auf mehr Frauen beim Fußball ... meinetwegen auch als Schiedsrichter, sorry Schiedsrichterin natürlich :)
Alles Gute ... und eines Weltmeister-Tipps enthalte ich mich heute mal ... das entscheidet sowieso Sara Carbonero ;) ...
Da haben Sie ja wieder mal einen gucken lassen, Herr de Maizière. Den Thomas de Maiziére, meine ich ... seines Zeichens momentan Bundesinnenminister. Ich hab’s im Radio gehört und ein bisschen Googeln bringt auch den vollständigen Wortlaut in Textform zu Tage, direkt auf den Seiten des Bundesinnenministeriums. In einem Interview mit dem Sportinformationsdienst (Link) - so mitten in der Fußball-WM 2010 - findet man u.a. folgende Passage:
SID:Im Team stehen viele Spieler mit Migrationshintergrund. Ist die Auswahl das Aushängeschild einer erfolgreichen Integrationsarbeit?
De Maizière: Sagen wir es so: Die Integrationspolitik ist nicht so erfolglos, wie sie zuweilen dargestellt wird. Das hat auch eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie bestätigt. Wir haben aber allgemein in öffentlichen Bereichen wenig Deutsche mit Migrationshintergrund, die eine herausragende Rolle spielen. Im Fußball sind Deutsche mit Migrationshintergrund dagegen überproportional vertreten, und das finde ich gut. Daraus ergibt sich zum einen die Botschaft, dass Migranten etwas leisten können und sich zu unserem Land bekennen. Und zum anderen zeigt es den Migranten in unserem Land, dass man hier Erfolg haben kann und Herkunft und Hautfarbe keine Rolle spielen.
Hmm, warum ist es denn so, dass im Fußball mehr Menschen mit Migrationshintergrund erfolgreich sind? Könnte es vielleicht auch damit zusammenhängen, dass Fußball einfach eine große gesellschaftliche Bedeutung hat? Oder daran, dass im Fußball mitunter 'ne ganze Menge Geld verdient werden kann?
Ist der Fußball vielleicht einfach prestigeträchtiger als vermutlich 95% aller anderen Sportarten?
Ja, natürlich wollen Sie Erfolgserlebnisse in Ihrer Amtszeit, völlig verständlich. Auch wenn die Wurzeln dafür ganz andere gelegt haben und schon Jahre vor Ihrer momentanen Tätigkeit. Doch so ist das ja immer irgendwie, oder? ;)
Ich möchte ja gar nicht so weit gehen, zu behaupten, dass Sie „von Tuten und Blasen keine Ahnung" hätten, auch wenn dieser YouTube-Clip möglicherweise daraufhin deuten könnte.
Doch sagen wir es mal so, loben Sie ruhig auch in Zukunft weiter und schauen Sie ruhig gelegentlich mehr aufs Detail. Vielleicht gelingt es Ihnen ja wirklich, auch eigene Impulse zu setzen und nicht nur die Lorbeeren anderer mitzunehmen.
Achja, und eine Frage hätte ich noch: Wie würden Sie eigentlich reagieren, wenn in der deutschen Nationalelf plötzlich 75% Spieler mit Migrationshintergrund wären? :) Vielleicht könnte man dann einfach mal die Kategorie „mit Migrationshintergrund“ weglassen und stattdessen alle als Menschen betrachten, die ihrer Berufung – in diesem Fall Fußball – einfach so gut wie möglich nachgehen wollen und es tun. Und denen der Staat so wenig wie möglich Steine in den Weg gelegt hat(te).
Achja, und vielleicht könnten Sie sich auch vorstellen, dass Deutschland in Sportdisziplinen erfolgreich ist, die finanziell und prestigemäßig nicht so lukrativ sind. Hmm, wäre das für Sie vorstellbar, Herr de Maiziére?
In diesem Sinne, viel Erfolg bei der Arbeit ... und ebenso bei Vuvuzela-Blasen(-Üben) ... Hochachtungsvoll, Ihr Sportsfreund Micha.
Um offen zu sein, ich schaue immer lieber auch mal Frauenfußball an. Mal im Fernsehen, mal live vor Ort. Etwas entspannter, wenn auch vielleicht weniger spektakulär. Obwohl nicht wirklich entspannter vielleicht, wenn man sich diesen YouTube-Clip anschaut.
Naja, Fußball klingt eben im Englischen bzw. US-Amerikanischen so ähnlich wie „football“. Also, wo ist das Problem? ... kleiner Punch von hinten, an den Haaren ziehen, ne feine Blugrätsche ... tja, und es reichte trotzdem nur für die gelbe Karte ;)
Schwierig hatten es Frauen auch als Fußballmoderatorinnen, wie zum Beispiel Carmen Thomas im Jahr 1973. Ihr Versprecher („Schalke 05“ statt „Schalke 04“ ... oder war’s andersrum :)) brachte bei vielen männlichen Fußballfans alte Klischees hoch. Laut Wikipedia soll die BILD-Zeitung sogar ihre Entlassung gefordert haben.
Tja, ich fand’s sympathisch ... und Frau Thomas könnte ich mir sicher weitaus länger anschauen als Günter Netzers Kommentare anhören :) ... ja, er war ein guter Spieler, d’accord, doch im Fernsehen als Co-Kommentator denke ich häufig vor mir steht ein Fußballkrieger statt ein Fußballspieler.
Apropos, Kommentatoren ... die Geschichte mit dem „inneren Reichparteitag“ aus dem Mund von ZDF-Moderatorin Katrin Müller Hohenstein über Miroslav Kloses erstes WM-Tor wird wohl auch in die WM-2010-Annalen eingehen.
Tja, ob sie jemals nochmals erklären wird, was und wie sie das nun gemeint hat? Beziehungsweise, ob sie sich der Wirkung eines solchen Vergleiches mittlerweile bewusst ist? Offenbar geht man in Bayern bzw. Franken – Frau KMH wurde in Erlangen geboren – etwas lockerer mit dem Sprachgebrauch aus dem Dritten Reich um ... Sei’s wie’s sei, vielleicht eine Gelegenheit mal drauf zu achten, ob und wie häufig man selbst Wortgruppe wie „Jedem das seine“ oder „bis zur Vergasung“ benutzt ... sicher interessant sich mal selbst zu beobachten und/oder Sprachforschung zu betreiben.
Also, eins steht definitiv für mich fest ... Frauen und Fußball regt zum Nachdenken an ;)
In diesem Sinne ... achja, Argentinien wird Fußballweltmeister 2010 (ja, das war’n Tipp :)) ... Micha.
Zu den wohl eher seltenen Fernseherlebnissen – wenn nicht gerade olympische Spiele sind – gehört eine Übertragung des Gewichthebens. Wenn doch, dann sieht man die starken und stärksten Männer der Erde meist mit mehr oder minder schmerzverzerrten Gesichtern Gewichte über ihre Köpfe stemmen, die selbst nicht einmal auf zehn kleine Portionen verteilt heben könnte.
In Curt Riess’ Buch „Einsam vor Millionen Augen – Große Sportler und ihre Schicksale“ ist eine Beschreibung des Olympiasiegers im Schwergewicht bei den Spielen in Rom im Jahr 1960, Juri Petrowitsch Wlassow abgedruckt, in denen Wlassow selbst den Gang auf die Bühne und die Sekunden des Hebens nachzeichnet. Eine spannende und interessante Schilderung des durch seine Brille intellektuell wirkenden Gewichthebers, die deshalb auch hier im Blog festgehalten werden soll.
Allen Klischees zum Trotz war Wlassow nach seiner sportlichen Laufbahn, in der er zahlreiche Weltrekorde aufgestellt hatte, u.a. als Schriftsteller tätig und brachte es in seinem Heimatland, der damaligen Sowjetunion, zu einigen beachtlichen Erfolgen.
So sah Wlassow wahrscheinlich bei 200 Kilogramm aus (Foto: Clive Limpkin)
»Ich sehe vor mir einen langen Korridor von Menschen; ich marschiere zur Bühne. Hinter mir mein Trainer. Vor mir der riesige Saal, die Stille und die Stange mit den Gewichten. An der Stange hängt heute – Weltrekord.
»Ich prüfe den Griff. Er ist gut. Ich schließe die Augen und entspanne die Muskeln. Ich lasse meinen Körper willenlos hängen. Ich bewege die Lippen. Wie gewöhnlich vor einem Start spreche ich mir in Gedanken Verse vor.
»Ich habe die Stange nicht richtig in Griff. Als ich sie hochziehe und an die Brust stemme, werde ich kräftig nach vorn gerissen. Das ist schlecht. Luft! Ich schlucke. Die Muskeln sind verkrampft. Ich verlagere mein Gewicht noch mehr auf die Brust. So können sich die Hände noch ein wenig von der Last ausruhen.
»Jetzt warte ich auf das Kommando des Schiedsrichters. Es ist schwer und unbequem so zu stehen. Das Rückgrat wird nach hinten gedrückt. Im Kopf beginnt es zu dröhnen. Wenn der Schiedsrichter noch länger wartet, werde ich das Eisen nicht bezwingen. Da kommt das Kommando. Die Kraft wächst. Die Stange wird von der Brust gerissen und strebt nach oben. Im Kopf dröhnt es immer stärker. Es ist das Dröhnen der angespannten Muskeln. Sie brummen wie eine Baßgeige.
»Jetzt kommt der tote Punkt. Wenn ich den doch erst einmal hinter mir hätte. Das ist die schwierigste Position. Die eine Gruppe von Muskeln entspannt sich und übergibt die Last and die nächste Gruppe. Doch diese Gruppe kann nicht sofort alle ihre Kraft einsetzen. Ich drücke verzweifelt. Da – die Stange hat den toten Punkt überwunden.
»Wenn ich jetzt das Gleichgewicht verliere, ist der Versuch mißglückt. Ich muß auf jeden Fall stehenbleiben. Wenn mir das gelingt habe ich es geschafft. Die Menschen schreien. Mit letzter Kraft stemme ich die Arme hoch. Ich will nicht nachgeben. Es muß gelingen. Jetzt schwingen auch die Baßgeigen der kräftigsten Muskeln. Ich balanciere meinen Körper wieder ins Gleichgewicht. Ich darf die Füße nicht vom Fleck setzen, sonst ist der Versuch mißglückt. Ich höre, wie die Stange mit den mächtigen Gewichten über mir schwingt. Ich sehe bunte Flecken um mich herum. Die Schreie der Menschen geben mir Halt und Kraft. Dann umfängt mich die Müdigkeit wie eine nasse Decke. Ich habe es geschafft. Der Weltrekord ist gebrochen.
»Ich gehe zu Fuß nach Hause. Ich muß mich erst langsam wieder beruhigen. Es kommt mir so vor, als habe ich dem Leben etwas abgewonnen. Aber vielleicht kommt mir das nur so vor …«
Riess, dessen Satzzeichengebrauch und Rechtschreibung ich übernommen habe, schließt dieser Beschreibung Wlassows die Worte „Nein, es war keine Einbildung. Es war wirklich so.“ an.
Berlin, 17. August 2009. Das Finale der Hammerwerfer ist beendet. Ein Reporter des ZDFs hat die beiden deutschen Teilnehmer, Sergej Litwinow Jr. und Markus Esser vor dem Mikrofon. Hmm, halt, also eigentlich ist es im Fall von Sergej Litwinow Jr. ja korrekterweise ein für Deutschland Startender. Warum ich das hervorhebe, wird sich am Ende dieses Artikel noch heraus stellen. Achja, und das ZDF ist jener Sender, welcher von sich behauptet, dass man mit dem Zweiten besser sehen würde. Zumindest behaupten das die PR-Leute bzw. wollen sie dieses Image dem Zuschauer rüberbringen. Warum man auf dem Ersten oder mit dem anderen Auge nicht auch so gut sehen kann, wissen wahrscheinlich nur die oberen Chefetagen beider Sender. Wer etwas mehr Informationen schauen will macht’s sowieso nach dem Shiva-Prinzip: er schaut auf den Dritten bzw. mit dem Dritten.
Doch zurück nach Berlin. Der Reporter befragt erst den etwas frustrierten, noch in Tränen aufgelösten Markus Esser, der eigentlich gar nicht vor der Kamera stehen möchte. Zumindest geht er – das verrät seine Wortwahl – recht hart mit sich ins Gericht. Kurzum: er ist unzufrieden mit seiner Leistung von 76,27 m, die Rang 6 bedeuten. Und das in Berlin, für einen Leverkusener also vor fast heimischer Kulisse, wenn man mal den WM-Hintergrund mit einbezieht. Mit seiner persönlichen Bestleistung von 81.10 m (2006) wäre der 29jährige Weltmeister geworden. Das hat er nicht gesagt, doch das nur so am Rande.
Einen Platz vor ihm kam mit 31 Zentimetern mehr ein 23jähriger Youngster ins Ziel: Sergej Litwinow Jr. 'Den Namen kennst du doch irgendwie', ging es mir durch den Kopf und es dauerte auch nicht lang, bis ich es über das Fernsehen bzw. das Internet erfuhr. Sein Vater hieß genauso, nur ohne „Junior“ am Ende und war in den 1980er Jahren für die Sowjetunion angetreten. Einmal Olympiasieger, zweimal Weltmeister, um mal nur die ganz großen Erfolge zu erwähnen. Zudem mehrere Weltrekorde und zahlreiche Duelle mit seinem Landsmann Jurij Sedych, der wiederum mit 86,74 Meter, aufgestellt zur EM 1986 in Stuttgart, seit nunmehr 23 Jahren den Weltrekord hält.
Wie der Vater (Sergej Litwinow) …
… so der Sohn (Sergej Litwinow Jr.)
Der Reporter befragt den Junior-Litwinow nun seinerseits, wie’s war, was er denkt … all die Fragen, die Reporter eine Stunde nach dem Wettkampf eben meist so fragen. Litwinow scheint zufrieden, auch wenn er mit einem halben Meter Steigerung seiner persönlichen Bestleistung vielleicht auch die Bronzemedaille hätte gewinnen können. Nein, auch er hat das nicht gesagt, doch er sagte etwas anderes. Der Reporter hatte ihn auf diverse Schwierigkeiten mit seinem Start für Deutschland angesprochen, denn Litwinow schnitt die Geschichte kurz an, erwähnte unter anderem, dass seine Frau seit drei Monaten nicht einreisen dürfe und beendete den Dialog mit den recht offenen Worten: „Da können Sie sich ja vorstellen, wie man sich fühlt.“ Der Reporter des ZDFs seinerseits war nun einerseits wohl entweder froh, dass er dieses Thema angeschnitten hatte, doch ebenso bemerkte er, dass die deutsche Zuwanderungspolitik nun wohl keines ist, welches live ins Schema des ZDFs passen könnte, und ausgerechnet noch von der Leichtathletik-WM in Berlin. Und so beendet der ZDF-Mann nun seinerseits das kurze Zwiegespräch mit den sinngemäßen etwas hastig gesprochenen Worten: „Na dann wollen wir dann wollen wir mal darauf nicht weiter eingehen.“ und wandte sich erneut dem immer noch mit sich unzufriedenen Markus Esser zu, der im Grunde nicht anderes sagen konnte als zwei Minuten zuvor.
Und was sagten uns bzw. vielmehr mir diese knapp drei Minuten ZDF? War es nur ein halbherziger Versuch des Reporters in eine Sportsendung auch etwas Persönliches einzubringen? Und bemerkte er dabei mittendrin, dass sich aus dem Persönlichen innerhalb von Sekunden etwas Politisches anbahnte? Wie bekommt man dann in zwei Sekunden am besten die Kurve, wenn man merkt, dass Deutschland eben nur zur Fußball-WM im eigenen Lande ein „ausländerfreundliches Land“ ist und ansonsten ein knallhartes „Duldungsland“?
Diese und andere Fragen dürften dem Reporter vielleicht ansatzweise durch den Kopf gegangen sein … oder auch nicht. Wäre gut, wenn das ZDF in Zukunft seine Journalisten nicht nur bei Menschenrechtsverletzungen im Ausland schult, sondern auch daheim, neben dem zweiten auch das erste Auge aufmacht, denn nur mit zwei Augen kann man wirklich sehen. Ansonsten bleibt der Einäugige zwar König unter den Blinden, doch zivilisiert ist man dadurch längst noch nicht.
Ich fand nur dieses Plakat mit dem ZDF-Spruch „Mit dem Zweiten sieht man besser“ … und wie es der Zufall so will, auch noch eins mit Dresden.
Und so ließ man Sergej Litwinow Jr. mit seinen durch die deutschen Behörden ausgelösten und deutsche Gesetze verursachten persönlichen Problemen erst einmal wieder allein. Wahrscheinlich bis zu den nächsten großen Wettkämpfen, vielleicht die Leichtathletik-EM 2010 in Barcelona. Wenn er dann dort eine Medaille holt, dürfte es vielleicht auch daran gelegen haben, dass seine Frau einreisen durfte. Naja, wir wissen es nicht, was wie kommt … doch vielleicht ist es manchmal gut, hinter dem Sportler auch den Menschen zu sehen, der er ist es. der da seine Leistung bringt, unabhängig seiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe.
In diesem Sinne, „Sport frei“ … Sportsfreund Micha (Dresden).
Bei einem der letzten Blog-Einträge fragte ich etwas provokant-naiv „Wen interessiert denn Doping wirklich?“ Die Frage wäre wahrscheinlich einfacher zu beantworten, wenn man stattdessen fragen würde „Wen interessiert denn Doping wirklich nicht?“ Da fallen einem wohl schon mehr Interessensgruppen ein.
Mir kamen ein paar Tage nach Usain Bolts 200-Meter-Finallauf bei der Leichtathletik-WM in Berlin neue Fragen in den Kopf. Ich schaute mir – wie bereits berichtet – den Lauf mehrmals auf YouTube an. Einerseits ist es faszinierend anzuhören, wie weltweit Reporter in Ekstase fallen, wenn der Usainator mal wieder alle stehen ließ und dabei auch noch Weltrekord rennt. Andererseits bleibt die Dopingfrage immer offen. Und das wird sie auch auf immer und ewig bleiben, vermutlich.
Warum?
Jamaika ... Nach Jahrzehnten als Bananen-Republik nun Doping-Republik ?
Bolt kann eigentlich gar nicht des Dopings überführt werden, weil vorher eine ganze Reihe von Fragen im Wege stehen. Zum Beispiel: wer stellt die Dopingliste, z.B. jene der Welt-Anti-Doping-Agentur – überhaupt zusammen? Wer wusste, dass bis 2004 auch Koffein auf der Dopingliste stand und auch zur Aberkennung von Goldmedaillen führte (siehe S. 15 dieser Studie)?
Und aus persönlicher Sicht und hobbymäßiger Heuschnupfer … waren meine DDR-Spartakiade-Medaillen, die möglicherweise unter dem Einfluss von Ephedrin-haltigen Nasetropfen errungen worden waren, auch dopingbeeinflusst? Bei welcher Behörde melde ich mich da eigentlich am besten?
Neben den rein wissenschaftlichen, analytischen Fragen kommen – neben politischen (die an dieser Stelle nicht diskutiert werden sollen) – einige weitere hinzu, die wohl viel schwerwiegender sein dürfte. In einem Milliardengeschäft wie dem Leistungssport zählt der Profit und wenn einige Topverdiener nach Wettkämpfen mit sechsstelligen Beträgen nach Hause gehen, kann man wissen, dass andere Personen, jene die man selten oder gar nicht sieht, das mit mindestens siebenstelligen Beträgen tun. An einem Star wie Bolt verdienen Tausende Menschen mit, Fernsehstationen, Sportartikelhersteller usw. Doch deren Beteiligungen und Gewinne an der Marke „Bolt“ und Co. dürften sozusagen „peanuts“ gegenüber jenen der – neben der Lebensmittelindustrie – weltweit größten Branche, der Pharmaindustrie, sein.
Nach all den Überlegungen, wer nun was und wie nimmt, bleibt wohl wirklich nur der Transparenz-Vorschlag des Kabarettisten Volker Pispers übrig, der im Jahr 2006 nach dem Doping-Skandal bei der "Tour de France" meinte:
"Die sollen Doping freigeben. Ich hab da kein Problem mit. Das sind erwachsene Menschen. Die machen das für viel Geld, freiwillig. Sie sollen nur aufs Trikot draufschreiben müssen, was sie genommen haben. Das finde ich korrekt … Da man dann am Ziel wenigstens mal sehen, was funktioniert und was nicht."
Zwei Nationalhelden Jamaikas: Bob Marley und Usain Bolt
Bei all den Doping-Hin-und-Her um wen auch immer, verbindet Bolt die Welten auch anders. So wie ein vielleicht 60jähriger in Jamaika's Hauptstadt Kingston bei den Feiern nach Bolts 100-Meter-Sieg bei den Olympischen Spielen in Beijing breit grinsend meinte: „We bring the reggae to China." ... und in einem Land, in dem bis 1977 sogar Beethoven „banned" war, kann das nicht schaden (siehe Artikel).
In diesem Sinne, lauf mal weiter, Usainator, die Menschen lieben dich ... und so kurz vor Karriere-Ende kannst du dann gern noch mit einem Bob-Marley-raucht-Joint-T-Shirt Promo machen ;)
Ja, er hat's wieder getan: Usain Bolt ... Ist schon wieder mehr als zwei Tage her und die Welt dreht sich auch so weiter, doch manche Sportereignisse bleiben für die Ewigkeit bestehen. Bei Bolt's Können zumindest ein Jahr.
YouTube machts möglich, also wird's extensiv genutzt - wann sieht schon mal einen Menschen 19,19 Sekunden über 200 Meter laufen?
So könnte es in Zukunft auch aussehen – Bolt rennt alleine :)
Die Leichtathletik hat wieder einen neuen Übermenschen (oder ihren ersten überhaupt?) und wann kommt es schon mal dazu, dass sich Kommentatoren weltweit reihenweise nahezu überschlagen? Der Schweizer drückt's mit „Ja, du meine Güte ... Ja, für diesen Mann gibt es keine Grenzen." aus, der Holländer klingt so, das kam mir irgendwie Spanisch vor, hier hat's den möglicherweise finnischen Reportern nach dem Sehen der Zeit scheinbar glatt mal 40 Sekunden die Sprache verschlagen, was der Atmosphäre erstaunlicherweise sehr zu Gute kommt. Auch in der polnisch-sprachigen Ausgabe von Eurosport verstehe ich zumindest das Wort „phänomenal".
Die Herren vom ZDF klingen fast schon etwas zurückhaltend. Das könnte tschechisch sein (tja, wo war jetzt das Video?) und klingt wie beim Fußball die Rufe nach einem WM-Endspieltor in der 91. Minute, während das hier brasilianisch klingen könnte. Dieser Reporter ist auch türkisch gut.
Und in diesem BBC-News-Clip kommt Bolt hinterher auch noch kurz zu Wort: „It wasn't a good race, I can't say, but a fast one." ... so als kleine „Entschuldigung" für seine Müdigkeit offenbar. Der BBC-Reporter darf noch einen Kommentar in Richtung WM-Maskottchen „Berlino" loslassen, der meinem Gehör nach „The bear with the little brain" lautete. Er hätte „Speedy Gonzales" angesichts der Leistungen Bolts für angemessener gehalten. Na, war das eine kleine Schlagseite eines Briten gegen die „Krauts" :)
Am treffendsten fand ich wohl den Kommentar des Eurosport-Reporters Sigi Heinrich, der ab 5:00 Minuten - neben dem vorher schon gebrachten Vergleich zum Überirdischen - Assoziationen zu Mozart und Einstein herzustellen versuchte ... einfach mal reinhören. Noch überschwänglicher war Heinrich wohl nur beim 100-Meter-Finale vier Tage zuvor.
Naja, mit Usain Bolt lernt man wohl auch mal ganz gut diverse Sportreporter kennen. Apropos Sportreporter, warum sind das eigentlich zu 95% Männer? Da fand ich übrigens nur einen Kommentar des Russischen Fernsehen bzw. eines russisch-sprachigen Senders, bei dem eine Frau als Moderator mit dabei war. Und habe ich das richtig verstanden, dass sich die Moderatorin bei 5:02 Minuten fragt, wann die 19-Sekunden-Grenze fallen wird?
Sei es wie es sei ... mit Usain einmal um die halbe Welt. Am allerbesten finde ich jedoch immer noch diesen Usain-Bolt-Double-Clip aus dem Jahr 2008 „Usain Bolt ... very early".
In diesem Sinne ... guten Lauf, Micha.
PS: Und kurz vor Schluss habe ich doch noch den Clip, den ich von Anfang an suchte ... mit einem „You got to be kidding me" des britischen Eurosport-Kommentators. Und was ich beim ersten Mal nicht sah ... sogar mit dem achtfachen Weltmeister und vor-Bolt-200-Meter-Weltrekordler Michael Johnson sowie Colin Jackson (früherer 110-m-Hürden-Weltrekordler) als Co-Moderatoren. Vielleicht spielte der über „Berlino" etwas frotzelnden BBC-News-Reporter auch auf diese Szene an, bei der der Bär, die jamaikanische 400-Meter-Hürden-Läuferin Melaine Walker fallen ließ, weil er offenbar nicht sah, wo er hinlief.